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onegirlonelove … mit Anouk Jans

Ich zitiere aus einem Facebookstatus von Anouk:

„6 Jahre. 1 Jugend. 2 Blogs. 1 Buch. 1 Millionen besondere Momente. Ich bin dann mal weg.
Mit 13 der erste Post, mit 14 das erste Interview, mit 15 die erste Kolumne, mit 16 der erste Vortrag, mit 17 die erste Kampagne, mit 18 der erste internationale Schritt, mit 19 Teil eines globalen Unternehmens, mit 20 das erste Buch….“

Das beschreibt mal eben in kurz und knackig das Leben von der mal als jüngste Modebloggerin Deutschlands beschriebenen Anouk Jans, deren Buch #TheFashionBlog gerade in den Regalen bei den „Must-reads“ der Modeszene liegt. Wobei ich sie ab genau jetzt aus persönlichen Gründen nicht mehr als Bloggerin titulieren werde. Aber dazu später. Und mein lieber Scholli, es liest sich doch wie ein wahrgewordener Traum einer jungen Frau, die schon ordentlich was erreicht hat. In der Modewelt, im Social Media Bereich, im Leben. Einer, die etwas in der Szene zu sagen hat. Aber auch einer, die sehr genau weiß, was sie will und auch schon, was sie nicht will (dafür brauchen manche Menschen eine halbe Ewigkeit!). Wenn man Anouks Namen bei Google eingibt, dann springen einem sofort die passenden Superlative ins Auge: Senkrechtstarterin, Wunderkind der Bloggerszene, Social Media Expertin, Junior Editor bei Marc O´Polo … äääääh, whattttttt???? Ich wollte diese Frau kennenlernen. Wie geht das alles? Und wie lebt es sich so als Wunderkind? Ist sie es überhaupt, oder ist das wieder so ein gemachtes Mediending? Ob sie meine Einladung annimmt? Schließlich bin ich keine coole Modesau und auch keine Bloggerin mit hunderttausend Followern. Sie sagt zu, erfreut und kurz und knapp und ohne hashtags. Irgendwie nordisch. Ich bin mal gespannt, wie sich das Gespräch so entwickelt, denn ich möchte echt wissen wer hinter dieser Branchengranate steckt! Ob mein ganz persönliches Gütesiegel #lovewhatyoudo aus meinem Herzen purzelt, wenn wir uns begegnen?

(P.S.: Scheisse!!!! Muss ich für dieses Meeting eigentlich einen Dresscode beachten??? Und warum habe ich keine Prada-Schlappen?)

Ich beschließe die Wichtigkeit der Outfitfrage unter den Tisch fallen zu lassen und einfach in meine liebste schwarze Jeans zu schlüpfen. Pulli, Mantel, Chucks, Fertig. Treffpunkt: Ihr Lieblingscafé. Das Leonar im Hamburger Grindelviertel.

Anouk sitzt schon da. Inmitten des proppenvollen Cafés. In ihrem schwarz weiß geringelten Rollkragenpulli begrüßt sie mich freundlich, aber nicht überschwänglich, offen, auf hamburgische Art. Und gänzlich unaufgeregt. Ich kann Euch gar nicht sagen, wann es passierte. Oder weshalb. An meinen Fragenkatalog habe ich jedenfalls erstmal nicht mehr gedacht. Weil man mit ihr einfach sofort ins Reden und vom Hölzchen auf´s Stöckchen kommt.

Anouk Jans5_ lovewhatyoudoblog_ christine stitz_ bene kuehn

Sie trägt das Herz auf der Zunge. Spricht ziemlich ungefiltert und das gefällt mir. Sie ist reflektiert, nachdenklich und wirklich ziemlich erwachsen. Ist aber vom Klugscheißen so weit entfernt, die ich von einer Celine-Bag.

Man würde vermuten, daß sich so ein kreativer Geist, wie Anouk in Berlin aufhält. Weil die meisten Kreativen das tun. Aber sie mag es gerne überschaubar und fühlt sich deshalb in Hamburg sehr wohl. Das bringt ihr natürlich sofort Pluspunkte bei mir ein. Endlich mal eine Fashionfrau, die sich nicht zwangsweise nach Berlin verfrachtet, weil angeblich nur und ausschließlich dort der Wind wirbelt. Apropos Wirbel: obgleich also Hamburg noch bis vor Kurzem ihre Heimatstadt war, ihr Herz noch in Spanien hängt (sie hat dort mit ihrer Familie einige Zeit ihres Lebens verbracht), verschlägt es sie nun für eine weitere Station nach München. Mit Sack und Pack. Denn dort arbeitet sie seit diesem Jahr als Editor für Marc O´Polo, die ihr ein „Entwicklungszepter“ in die Hand geben und so verabreicht sie der internationalen Modemarke im Social Media Bereich ordentlich kreativen Input. Mit 20.

lwyd: Ist es nicht anstrengend den Dir vorauseilenden Ruf als meinungsbildende Kreative, als Entscheidungsträger für Social Media Belange & erfolgreiche Autorin jederzeit gerecht zu werden? 

Ja, auch wenn ich weiß, was ich kann und weiß, worin ich gut bin, der Druck ist enorm. Egal, wie gut Du bist und das, was Du tust: Du musst Dir Respekt erkämpfen. Man glaubt es kaum, aber sobald ich mein Alter verrate, reagieren Menschen anders. Zum Beispiel geben sie mir im schlimmsten Fall nur kleinere Projekte an die Hand, weil sie mir größere nicht zutrauen. Das kann ich dann nur ändern, indem ich die großen Projekte im Alleingang umsetzte, ohne sie zu fragen und hoffe, daß sie das Resultat dann überzeugt. Man muss sich ganz schön beweisen. Ich hinterfrage mittlerweile schon, ob die Menschen, denen ich begegne, mich wirklich respektieren und es ehrlich mit mir meinen.

Wie läuft Dein Buch #TheFashionBlog und was hat sich damit für Dich verändert?

Es läuft super, wir haben tolles Feedback und machen demnächst die erste Interviewrunde.  Ich habe mich damit ein bisschen zurück gehalten, da ich ja den ganzen Presserummel schon einmal hinter mir habe. Und es ist mir dieses Mal wichtig auszuwählen, zu entscheiden mit wem ich spreche, wie intim ich spreche. Damals habe ich mich von der Presse leiten lassen, mir Stempel aufdrücken lassen. Aus dem Alter bin ich nun aber raus.

Wie wichtig ist es denn, sich über sein „Image“ auf Social Media klar zu sein? Kann man sich denn nicht auch ausprobieren? 

Ja, klar kann man sich ausprobieren, das sage ich auch in meinem Buch. Man muss sich aber auch einer traurigen Wahrheit bewusst sein: In den meisten Fällen sind es immer dieselben Bilder, die auf social media erfolgreich funktionieren. Und man muss für sich entscheiden, ob man kopieren will, um erfolgreich zu sein, oder ob man sich traut einen neuen (Bild)Stil auszuprobieren.

Ist es eigentlich egal wer einem auf social media folgt? 

Teenies folgen süßen Teenies. Redakteure folgen Magazinen, Stylisten und Fotografen. Frauen folgen Frauen, keinen Minderjährigen. Wenn man sich seine Follower ansieht, weiß man wer seine Zielgruppe ist. Daraus kann man dann seine Schlüsse ziehen – natürlich nicht immer voreilig. Mir wurde oft gesagt mein Look sei zu streng, ich nicht „süß“ genug. Daher fehlten mir immer die Like-starken Teenie Follower. Strecke ich deswegen auf jedem Bild die Zunge raus, um süßer zu wirken? Nein.

Wie sieht denn momentan Dein Alltag aus?

Ich arbeite von morgens bis abends im Head Quarter von Marc O´Polo und bin dort als Editor voll eingebunden und mit allen Teams im engen Kontakt. Durch meine social media Kampagne #oneknitonelove für Marc O´Polo habe ich wieder verstärkt Kontakt zu anderen Bloggern, um ein Feedback dazu zu bekommen. Die Bloggerwelt hat sich allerdings auch sehr verändert. Früher haben sich einfach alle unterstützt, heute ist es leider oft so, daß man Geld auf den Tisch packen muss, damit ein Thema besprochen wird und die Menschen im Netz erreicht.

Was ist Dein Traum?

Ganz alleine entscheiden zu können, das ist mein Traum. Ich möchte weiter im Team arbeiten, aber selbst über Teammitglieder, ja und nein entscheiden können. Und etwas Eigenes mit Substanz schaffen. Da kommt dann der komplizierte Teil: Kommen Dinge mit Substanz überhaupt noch an? Lässt sich mit ihnen auch etwas verdienen und überleben? Scrollen ist in, lesen out. Da muss man dann einen Mittelweg finden, um die Leute zu fesseln und nicht wegen der Liebe zu gehaltvollen Themen zu verhungern.

Hast Du trotz Deines frühen Erfolges auch schwere Momente?

Ja natürlich. Was ganz viele von mir nicht wissen ist, daß ich von Grund auf ein eher melancholischer Mensch bin. Gedanken wiegen schwer. Wer viel denkt fühlt sich daher nicht immer leicht.

Auch schon mal eine Panikattacke erlebt?

Ja, habe ich. Dann fühle ich mich wie im Gedicht von Rilke „Der Panther“. Ich glaube ich werde nur unprofessionell, wenn ich mich so fühle. Dann boxe ich mich aus allem raus – radikal, undurchdacht und ohne Rücksicht auf Verluste. Und mit Verluste meine ich meine eigenen.

Was war bis dato der persönliche Höhepunkt Deines Lebens?

Als ich mein Buch #TheFashionBlog das erste Mal in den Händen hielt. Das war ein ganz toller Moment. Die social media Kampagne für Marc O´Polo war für mich der Höhepunkt. Da steckt so unglaublich viel Herzblut von mir und Fotografin Elizaveta Porodina drinnen und ich habe mich dafür sehr stark gemacht. Ich hoffe daß das Thema mit Couples, Freunden, Schwestern, Müttern & Töchtern, Vätern und Söhnen weiterläuft. In #oneknitonelove geht es um jede Form von zwischenmenschlicher Liebe. Nicht nur um die zwischen Paaren. Wir sind ja nicht The Kooples und wollen das auch nicht sein.

oneknitonelove

 

Was hat Dich zu der Person gemacht, die Du jetzt bist und warum glaubst Du, daß Firmen und Labels mit Dir arbeiten wollen?

Meine Eltern haben mich dazu gemacht. Ich bin sehr frei erzogen worden und habe viel Input bekommen. Von meinem Vater habe ich die Liebe zur Literatur und zu Gedichten, zur Tiefe mitbekommen, meine Mutter hat mir gezeigt, was es heißt Dinge zu wuppen. Wenn ich mich frage, warum Menschen sich mich für ihre Projekte aussuchen, dann liegt es vielleicht daran, daß ich den Zeitgeist jede Sekunde meines Lebens inhaliere. Ich weiß was angesagt ist und weiß es neu für Kunden und mich umzusetzen.

Eine Lebensweisheit:

„The Eye has to travel“ – ganz nach Diana Vreeland

Worüber lachst Du und worüber weinst Du?

Über alles und über alles.

Was ist für Dich stillos und ist es überhaupt wichtig einen Stil zu haben?

Der Stil ist das A&O!!! Eine Frau, die nicht stilvoll gekleidet ist und nicht weiß, wie sie ihr Leben stilvoll einrichtet, die schafft es auch nicht bis ganz an die Spitze. Und man sollte auf Understatement setzen.

(shit, shit, shit, ….ich wusste es, ich hätte meine Outfitfrage doch näher überdenken sollen…..)

Was sagt man Dir nach?

Das ich die Königin der Superlativen bin. In allem. Das wird auch gerne negativ gesehen. Dabei sind Superlative in meinen Augen einfach nur sehr viel Enthusiasmus und Begeisterungsfähigkeit in Worte gefasst.

Was findest Du indiskret?

Die Geheimnisse eines anderen zu verraten. Seine eigenen sollte man wahren.

Dein persönliches No-Go im Job:

Fingerpointing

Wie aufgeräumt bist Du innen drinnen?

Gar nicht. Ich bin chaotisch.

Was hat auf Dich eine beruhigende Wirkung?

Hörbücher mit der Stimme von Andreas Fröhlich

Anouk Jans3_ lovewhatyoudoblog_ christine stitz_ bene kuehnIch ziehe ein Fazit aus dieser Unterhaltung und will daher auf Anouks Post zurückkommen.    „Ich bin dann mal weg“ stand drinnen. Und es meint das, was ich schon in unserem Gespräch so deutlich empfunden habe: Anouk ist im Umschwung. Das hört man kristallklar heraus. Die junge Fashion Editorin ist für mich gefühlt schon 20 Schritte weiter, als die Eindrücke, die sie bei ihren Followern und in der Presse hinterlassen hat. Weil sie sich weiterentwickelt hat und weiterentwickeln möchte, weil die Bloggerwelt sich verändert hat und sie in ihr „Anouk Jans, jüngste Bloggerin Deutschlands“ Korsett schon lange nicht mehr reinpasst. Sie hat es längst gesprengt. Weil ihr Geist voller Ideen ist, weil ihr Herz zwar für Mode, aber nochmehr für Tiefes schlägt, weil sie sowas von in Bewegung ist. Und weil in ihr einfach viel mehr steckt als täglich über ein Modethema zu bloggen. Sie will Gehaltvolles, nicht nur konsumorientiert und gewinnbringend denken müssen. Sie will für sich persönlich weg von dem Druck Follower zu sammeln und nackte Zahlen auf den Tisch zu hauen, darüber nachzudenken welches Interview wohl am meisten Publicity bringt, oder vor welcher Wand man sich am besten positioniert, um möglichst viele Likes oder Herzchen zu bekommen.

Ich bin jedenfalls total gespannt, was sich da bei Ihr entwickelt und was wir noch von ihr lesen und sehen werden. Vielleicht wird es etwas weniger bunt, vielleicht etwas weniger laut. Ich glaube sie erscheint in subtilerer Form. Vielleicht ja im Stile von Emmanuelle Alt, die wie Anouk sagt, eingehüllt in Grau, über die Fashionweek läuft, ohne offensichtliches Aufsehen zu erregen, aber dennoch jeder weiß, daß sie es ist. Understatement eben.

Eine letzte Frage habe ich noch an sie. Wenn Du ein Lied wärest, dann welches?

The Main Title von dem Film The Horsewhisperer

Ich finde das ist doch ein wunderbarer Ausklang für ein ganz tolles Gespräch, welches hoffentlich für mich nicht das Letzte mit ihr war, denn Anouk hat mich auf Herzensebene voll erwischt. Ob ich finde, daß sie ein Wunderkind ist? Nö. Aber sie ist sicher ein außergewöhnlich begabter Mensch mit wunderbaren Fähigkeiten. Eine ältere Seele in einem jungen Körper mit richtig viel Potential an die Spitze. Im Hier und Jetzt.

absolutely #lovewhatyoudo liebe Anouk! See ya soon!

 

Wer Anouks Buch noch nicht hat, so sieht es aus Anouk Jans - #TheFashionBlog _ lovewhatyoudoblog

und hier kann man es bestellen

 

 

 

 

 

Die schönen s/w Fotos von Anouk hat der Fotograf Bene Kuehn gemacht.

(weitere Fotos: Eden Book PR, Marc O´Polo)

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