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Spieglein, Spieglein an der Wand … mit Martin Gremse

Ich und ein echtes Kunstthema? Würde ich normalerweise die Finger von lassen, denn ich bin wahrlich keine intellektuelle Kunstversteherin. Ich empfinde sie einfach. Auf meine (für Profis vielleicht eingeschränkte) Weise. Entweder sie spricht mich an und ich finde sie wunderschön, als Superlative „ganz ganz toll“, oder eben nicht. Bei Kunst, die man ewig erklären muss, bin ich sowieso raus. Und zwar pronto. Von Künstlern habe ich, ganz doll Hand auf´s Herz und excusez-moi, oft ein mit Vorurteilen belastetes Bild. Was unter anderem daran liegt, daß ich nur wenige „normale“ kenne. Irgendwie denke ich, daß die meisten einen an der Waffel haben, mit Spleens, vermaledeiten Egos und egozentrischem Verhalten behaftet sind, durch wahnsinnig hochtrabende Gespräche (denen kaum noch einer folgen kann, aber alle so tun, als ob) auf den wichtigen Bühnen dieser Welt punkten müssen und in irgendeiner unfassbar tiefgreifenden Lebensperiode überdimensionale Geschlechtsteile malen. Ich gebe es also offen zu: mein in der Oberstufe zart entstandener Kunstverstand ist in den 90ern gleich wieder backen geblieben. Total verkümmert, auch wenn meine äußerst kunstverständige und liebe Schulfreundin Gesa, mit Jahresabo in der Kunsthalle, mich geduldig an ihrem Wissen teilhaben ließ. Ich glaube es war die Begegnung eines damals schon aufstrebenden Künstlers 1995, seiner etwas irrsinnigen Ausstellung in Freiburg an der Elbe, dem irritierendem Auftreten, wie Erscheinungsbild, welches meine Synapsen dazu veranlasst haben, „Künstler“ per se mit „Wahnsinn“ ganz niet und nagelfest miteinander zu verknüpfen.

Das hätte sich vorerst wohl auch nicht geändert, wäre ich nicht über die Werke des angesagten jungen Künstlers Martin Gremse und seiner Person gestoßen! Ich habe seine Bilder kurz vor seiner Ausstellungseröffnung „Covered“ im Hanseforum hängen sehen. Da stand ich nun, umzingelt von unzähligen dieser leuchtenden Werke und war wirklich sofort und sehr unerwartet begeistert. Am allermeisten haben es mir diese Spiegelbilder hier angetan. Einfach so. Einfach wunderschön. Vielleicht zählt die 7 Sekunden Regel ja nicht nur zwischen Menschen, sondern auch Mensch und Objekt.

martingremse_silver

martingremse_spiegel

ethmoidal _ silver on canvas _martin gremse _lovewhatyoudoblog _ Christine Stitz

Darf man das eigentlich? Kunst einfach so toll finden? Ohne Studium? Ohne tieferen Sinn? Ohne Jahresabo? Ohne zu Hinterfragen, warum man sie sofort aufhängen möchte? Während ich also inmitten dieser riesen Ausstellung stehe, wußte ich natürlich nicht mal daß Martin Gremse in der Kunstszene schon längst als „Shootingstar“ tituliert wird. Eigentlich hätte ich mir das ja denken können, denn schließlich hat die Hamburger Kunstagentin Jenny Falckenberg einen ziemlich guten Riecher und sich die Zusammenarbeit mit dem Künstler für seine erste Soloausstellung in Deutschland schleunigst unter den Nagel gerissen. Seine großformatigen Unikate hatten sich ebenso groß, wie spontan in mein kleines Kunstherz gebeamt – cool, oder? Während meines Gesprächs mit Falckenberg erzählte sie noch, daß der Künstler selbst ein ganz lässiger Typ sei. Sympathisch, freundlich und unaufgeregt, super nett eben. Eine Zeitung hat geschrieben er sähe aus wie ein Armani Model. What? Meine Verstand erhebt sofort Einspruch! Ja nee, is klar. Und am besten noch unkompliziert und tierlieb, oder was?

Kommt 5 Minuten später ein blonder Typ Marke Männermodel um die Ecke, stellt sich mit einem Lächeln vor. Gremse. Und hinterlässt mit seiner angenehmen leichten Ausstrahlung bei mir genau das, was seine Werke beim Zuschauer hinterlassen: Einen bleibenden Eindruck.

Meine Neugier war also geweckt, meine Synapsen rebellieren trotzdem noch. Nun wollte ich mich doch bitte davon überzeugen lassen, daß Jenny Recht behielt und Gremse mit Bestimmtheit auf meinen Blog gehört. Denn wer seine Arbeit sehr liebt und damit Menschen bewegt, der muss hier unbedingt stattfinden. Ob mit oder ohne einen an der Waffel. Finde ich. Und erbitte ein Gespräch. Was nicht ganz so einfach ist, denn dieser Mann hat einen ganz schön straffen Zeitplan und offensichtlich neben vielen Meilen auf seinem Konto auch viele Termine in noch mehreren Städten. Doch das Glück ist auf meiner Seite, das Universum räumt mir ein Plätzchen in Gremses Timeplaner ein und ich darf mich auf ein Treffen freuen. Und auch noch in meiner Lieblingsstadt Hamburg! #doppeltesglück

Ein paar Tage später also bröckeln meine Vorurteile schon bei der Begrüßung zum Interview mit Martin Gremse in Lässiglook und ich höre bei Espresso und Wasser einem entspannten, unprätentiösen Künstler zu, wie er über seine Arbeit spricht. Und seine zwei Herzen, die in seiner Brust schlagen. Daß er nämlich nicht nur Künstler ist (und zwar schon seit seiner Jugend), sondern auch Arzt. Wie jetzt? Ja, ein echter Arzt. (ich muss ganz kurz an Dr. Marc Meier denken #dd #insider) Er sagt über sich, daß er Medizin studiert hat, um ein besserer Künstler zu werden und die Kunst ihn zu einem besseren Mediziner macht. Es ist der Mensch der ihn fasziniert. Und sein Gehirn. Oh shit, ich muss jetzt ganz souverän wirken, damit er mich nicht als Psycho abstempelt, oder schlimmer noch: sich selbst doch als Kunstpsycho entpuppt. Aber Fehlalarm. Ich atme aus.

Lässt man ihn sprechen, hört man einem Menschen mit offenem Geist zu. Einem, dem man gerne begegnet. Einem, der sich von seinen vielen Reisen und unterschiedlichen Orten inspirieren, von Menschlichkeit berühren lässt. Einem, der den Jakobsweg schon in jungen Jahren gegangen ist, der nicht gerne katalogisiert, ob Kunst, Mensch, Zeit oder Raum. Einem Künstler, der lieber bei sich bleibt und die anderen da lässt, wo sie sind. Wie schön! Und vor allem aber einem, der wahnsinnig (und die Wortwahl ist jetzt nicht doppelt zu deuten) viel Liebe für seine Arbeit hegt. Wenn er zum Beispiel über die chemischen Prozesse spricht, die er zur Entstehen seiner Werke nutzt und die sein naturwissenschaftliches Herz nähren, verstehe ich zwar irgendwann nur noch Bahnhof, bin aber trotzdem begeistert über seine Begeisterung. Macht Sinn, oder?

Ich bin auch beeindruckt von der Natürlichkeit und Bescheidenheit, mit der Gremse auf den Erfolg um seine Arbeit reagiert. Klar freut er sich, daß seine Kunst gekauft wird, das Ding mit dem Geldverdienen, was daran hängt, ihm aber nicht so wichtig ist. Außer, daß es ihm die Freiheit gibt weiterzumalen. Der Drang danach im Atelier zu stehen und Neues zu produzieren ist das, was ihn glücklich macht und dieser Drang ist weder aufzuhalten, noch zu unterdrücken. Er MUSS einfach Kunst machen. #dowhatyoulove

Und, wie ist es so, wenn die Szene einen bejubelt? Das Interesse um seine Person bei einer Vernissage, oder bei Interviews für Zeitschriften oder das Fernsehen ist ihm eher unangenehm, gehört aber eben dazu. Statt sich im gefeierten Rampenlicht zu aalen, oder ein Leben auf Studio54 zu machen, verbringt er seine Zeit lieber ganz bodenständig mit seinen Weimaranern (#tierlieb) in Goslar und heizt auf seinem Rad durch den Wald, bevor er sich dann in seinem Atelier ganz und gar der Kunst hingibt.

Gray Zinc Mitochondria, Silver covered Painting on Canvas  140 cm x 180 cm Martin Gremse 2015

Dort bemalt, besprüht und beschichtet Gremse seine Werke auf unterschiedlichen Materialien wie Leinwand, Stahl, keramischen Oberflächen, … und mit unterschiedlichen Malmitteln. Das Edelmetall Silber ist dabei eines seiner absoluten Favoriten und geben seinen Werken den unverkennbaren Gremse-Look. Es muss eben nicht immer als Gold sein, was glänzt!

Grey Steel Gladiolus Acryl, Silver on Canvas 160 cm x 150 cm Martin Gremse 2015

Ich fahre nach Hause und lasse das Gespräch nachwirken. Und ja, auch wenn ich von Gremse`s Person nur einen Bruchteil kennenlernen durfte, so würde ich wohl unterstreichen, was Jenny über ihn gesagt hat. Und seine Bilder finde ich einfach ganz ganz toll! Das Wunderbare an der Begegnung mit ihm und seiner Kunst ist für mich, daß ich mich dadurch von Vorurteilen verabschieden konnte. Eine ganz persönliche Bereicherung. Danke dafür. Außerdem werde ich meine Freundin Gesa bitten mit mir wieder eine Ausstellung zu besuchen. Nur nicht in Freiburg an der Elbe.

#martingremse #lovewhatyoudo #dowhatyoulove #covered #uncovered

Hier findet Ihr die nächsten Ausstellungstermine von Martin Gremse:

In Berlin auf der Positions Berlin Art Fair vom 17. – 20. September, vertreten durch Jenny Falckenberg

In München in der Galerie Halverscheid mit einer Soloausstellung ab dem 26. November

Und wer von Euch in Asien unterwegs ist kann seine Werke, vertreten durch die Galerie Schübbe Düsseldorf, auf der Art Stage Singapore in Singapur vom 21.-24. Januar 2016 bewundern, sowie in Hong Kong auf der Art Central Hong Kong vom 24.-27. März 2016

lovewhatyoudoblog.de_ Martin Gremse _ Christine Stitz

(Martin Gremse und ich)

Fotos: Christine Stitz (2), Martin Gremse (5), Andreas Hornoff (1)

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